Mit Lörchen unterwegs
September 2026 · 12. bis 29. September · rund 3.600 Kilometer
Inhalt dieser Seite
✍🏻 von ChatGPT
Am 12. September ging es los. Lörchen, meine noch ziemlich neue Royal Enfield Classic 650, war gepackt, die erste Etappe geplant und für die kommenden Wochen gab es zwar einige feste Punkte – aber keinen vollständig festgelegten Reiseverlauf.
Genau so sollte es sein.
Nach zehn Jahren mit dem Gespann war dies meine erste längere Reise wieder auf einem Solomotorrad. Ich wollte kleine Straßen fahren, große Städte möglichst meiden und morgens nicht schon genau wissen müssen, wo ich drei Tage später übernachten würde. Die Tagesetappen sollten normalerweise nicht wesentlich länger als 250 Kilometer werden. Abends wurde die nächste Strecke geplant und die Unterkunft für den folgenden Tag gesucht.
Ein paar Orte standen allerdings fest. Hamm gehörte dazu, später Abenberg und Aigen mit dem Grab meiner Mutter. Dazwischen und danach durfte sich die Reise entwickeln.
Nach Westen
Die erste Etappe führte am 12. September von Dornsode nach Moordorf. Kleine Straßen, zunächst Sonne, später zog es sich zu. Ein guter Auftakt.
Am folgenden Tag ging es weiter nach Pieterburen in den Niederlanden und anschließend nach Avenhorn. Für einen Teil dieser Strecke machte ich sogar eine Ausnahme von meiner sonstigen Regel, Autobahnen möglichst zu vermeiden.
Danach ging es wieder Richtung Deutschland.
Schon in diesen ersten Tagen begann sich ein Rhythmus einzustellen: morgens losfahren, kleine Straßen suchen, unterwegs irgendwo Pause machen und am Nachmittag oder frühen Abend ankommen. Danach Unterkunft beziehen, essen, die nächste Etappe planen.
Nicht alles musste vorher feststehen. Genau das wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Reise.
14. September 2026

Zurück nach Deutschland und nach Hamm
Von Avenhorn ging es über Dieren wieder nach Deutschland und schließlich nach Hamm.
Die ersten Tage hatten inzwischen auch gezeigt, wie sich die Reise praktisch organisieren ließ. Die nächste Etappe wurde jeweils am Vorabend geplant. Dazu gehörte bei Bedarf auch die Suche nach einer geeigneten Rasthütte.
Gerade bei schlechtem Wetter war es angenehm, schon vorher zu wissen, wo eine überdachte Pause möglich sein würde. Bei schönem Wetter konnte ich dagegen wesentlich entspannter improvisieren.
16. September 2026

Über Hamm nach Osten
Hamm war einer der wenigen gesetzten Punkte der Reise. Danach lagen mit Abenberg und Aigen noch zwei wichtige Ziele vor mir, der Weg dorthin war aber weitgehend offen.
Am 18. September ging es von Hamm nach Neukirchen. Mit rund 250 Kilometern war das bereits eine ordentliche Tagesetappe. In Neukirchen übernachtete ich im Hotel Combecher, das ich noch von verschiedenen Pro-Sidecar-Kursen kannte.
Am nächsten Morgen führte die Strecke weiter nach Meura – und dieser Tag gehört für mich zu den landschaftlich besonders schönen der Reise.
Von Neukirchen ging es durch Knüll und Rhön, anschließend durch den Thüringer Wald, über den Rennsteig und weiter durch das Thüringer Schiefergebirge.
Viele kleine Straßen, Kurven und ständig wechselnde Landschaft.
Genau für solche Tage war diese Reise gedacht.
In Meura übernachtete ich am Haflinger Gestüt. Am folgenden Tag ging es weiter nach Abenberg.
Damit hatte ich innerhalb von drei Tagen eine erhebliche Strecke zurückgelegt, ohne daraus eine schnelle Transitfahrt zu machen. Die langen Etappen bestanden weiterhin weitgehend aus den kleinen Straßen, die ich gesucht hatte.
19. September 2026

In den Bayerischen Wald und nach Tschechien
Nach Abenberg ging es weiter Richtung Bayerischer Wald und Tschechien.
Am 22. September führte die nächste große Etappe nach Železná Ruda.
Unterwegs änderte sich die Landschaft deutlich. Aus Franken wurde die Oberpfalz, später der Bayerische Wald, und schließlich ging es über die Grenze nach Tschechien.
An diesem Tag bekam auch das Thema Reichweite eine ziemlich eindeutige Antwort.
In Železná Ruda gingen 11,32 Liter in den Tank, die Reserve blinkte bereits.
Damit war klar: Auf 300 Kilometer Reichweite wollte ich mich nicht verlassen.
250 Kilometer wurden zur neuen Regel.
Lörchen selbst sah inzwischen ebenfalls nach Reise aus. Regen, Straßenschmutz und die vielen Kilometer hatten ihre Spuren hinterlassen. Im Bayerischen Wald stellte ich fest, dass sie mittlerweile eine durchaus ansehnliche Patina entwickelt hatte.
Und selbst die Handschützer, bei deren Optik ich anfangs noch Zweifel hatte, gefielen mir inzwischen.
22. September 2026

Durch den Böhmerwald
Von Železná Ruda ging es am nächsten Tag weiter nach Lipno nad Vltavou.
Durch eine Landschaft, für die ein Motorrad wie Lörchen eigentlich genau das richtige Verkehrsmittel ist: Wälder, Hügel, kleine Orte und Straßen, auf denen das Unterwegssein wichtiger ist als möglichst schnell irgendwo anzukommen.
Am folgenden Tag führte die Reise weiter nach Jíloviště südlich von Prag.
Auch hier blieb ich meinem Prinzip treu, große Städte möglichst zu meiden. Prag selbst war kein Ziel. Ich wollte durch die Landschaft – nicht durch den Stadtverkehr.
Durch Nordböhmen ins Erzgebirge
Am 25. September ging es von Jíloviště nach Bärenstein.
Durch Nordböhmen ins Erzgebirge.
Kleine Straßen, enge Kurven, schroffe Abhänge und weiche Hügel. Dazu gutes Wetter.
Eine schöne Fahrt.
Solche Tage lassen sich im Nachhinein kaum mit Sehenswürdigkeiten beschreiben. Es gab nicht den einen spektakulären Punkt, wegen dessen man diese Strecke fahren müsste.
Es war die Strecke selbst.
Am folgenden Morgen ging es von Bärenstein weiter nach Herzberg an der Elster. Damit begann endgültig der Weg zurück nach Norden.
Brandenburg und Elbe
Von Herzberg führte die Reise nach Klietz.
Bei schönstem Wetter durch Brandenburg.
Einen Tag später ging es von Klietz nach Zießau am Arendsee.
Elbslalom bei schönstem Herbstwetter.
Mittlerweile war unübersehbar, dass die Reise zu Ende ging.
27. September 2026

Heimweg
Am 29. September wartete noch einmal eine lange Etappe: von Zießau zurück nach Dornsode.
287 Kilometer.
Home stretch.
Am Abend stand Lörchen wieder zu Hause.
Reisen statt Strecke abarbeiten
Die Reise hat noch einmal bestätigt, dass mir diese Form der Motorradreise liegt.
Ich brauche keinen vollständig ausgearbeiteten Reiseplan. Einige Fixpunkte reichen. Die eigentliche Route darf unterwegs entstehen.
Kurviger war dabei meine Hauptnavigation. Die Ansagen kamen über das Headset im Helm. Das Beeline Moto am Lenker lief unabhängig davon als zweite Navigation und zeigte grundsätzlich in Richtung Tagesziel.
Dieses System hat sich während der Reise weiterentwickelt.
Anfangs hatte ich Rasthütten und Tankstellen in Kurviger teilweise als Zwischenziele angelegt. Das erwies sich als unpraktisch. Wenn ich spontan woanders tankte oder eine geplante Rasthütte ausließ, wollte Kurviger mich zum verpassten Punkt zurückführen. Und weil ich häufig vergaß, den Punkt zu löschen, fuhr ich mehr als einmal eine unnötige Schleife.
Künftig werden solche Punkte nur noch als Shaping Points angelegt. Werden sie nicht angefahren, ist das kein Problem.
Das Beeline bekommt dagegen überhaupt keine Zwischenpunkte. Es kennt nur das Tagesziel.
So ergänzen sich beide Systeme: Kurviger führt über die gewünschte Strecke, Beeline sorgt dafür, dass die grundsätzliche Richtung stimmt.
iPad und iPhone haben dagegen im Kartenfach des Tankrucksacks nichts mehr verloren. Bei Sonne wird es dort zu heiß und wirklich gut ablesbar sind die Geräte ohnehin nicht.
Pausen müssen nicht immer geplant werden
Vor der Reise hatte ich viel Wert darauf gelegt, geeignete Rasthütten entlang der Strecke zu finden.
Diese Vorbereitung hat sich bewährt – allerdings nicht unter allen Bedingungen gleichermaßen.
Bei schlechtem Wetter ist eine vorher ausgesuchte, überdachte und möglichst direkt mit dem Motorrad erreichbare Rasthütte ausgesprochen wertvoll. Dann möchte ich nicht im Regen anfangen, auf der Karte nach einem geeigneten Platz zu suchen.
Bei schönem Wetter sieht es anders aus. Dann kann ich problemlos improvisieren. Eine Bank am Straßenrand, ein schöner Platz oder eine spontan entdeckte Einkehr reichen völlig aus.
ChatGPT war bei der Suche nach Rasthütten eine wesentliche Hilfe und Arbeitserleichterung. Das Verfahren hat sich im Laufe der Reise eingespielt: ChatGPT suchte geeignete Kandidaten, ich lud sie in Kurviger und prüfte, ob die jeweilige Hütte tatsächlich mit dem Motorrad erreichbar war.
Denn genau das ließ sich aus Karten und Beschreibungen längst nicht immer zuverlässig erkennen.
Von Sonne bis Kälte
Beim Wetter war auf dieser Reise einiges dabei.
Es gab sehr warme Tage, aber auch kalte und nasse Abschnitte. Damit bekam die mitgeführte Schlechtwetterausrüstung einen echten Praxistest.
Keis-Socken, Keis-Hose und die übrige warme Kleidung sowie die Wollhandschuhe waren keineswegs überflüssiges Gepäck. Ich habe sie gebraucht.
Die Unterbringung im Werkzeugfach des Tankrucksacks hat sich dabei bewährt. Die Sachen sind schnell erreichbar und morgens vor der Abfahrt konnte ich mich entsprechend der Wettervorhersage anziehen.
Während der Fahrt musste ich nur einmal abrüsten: Es wurde so warm, dass Keis-Hose und Socken ausgezogen werden mussten.
Lange Etappen mit stundenlangem Starkregen hatte ich diesmal allerdings nicht. Unter solchen Bedingungen wäre der schnelle Zugriff auf Regen- und Wärmeschutz noch wichtiger gewesen.
Eine andere Lektion war einfacher und feuchter:
Den Regenschutz des Tankrucksacks rechtzeitig überziehen.
Nicht erst dann, wenn es schon richtig regnet.
Jeans und Schlafanzug haben mir an einem Abend recht überzeugend erklärt, weshalb.
Weniger voll ist besser
Auch beim Gepäck hat sich unterwegs einiges geklärt.
Vor allem der Tankrucksack sollte nicht bis zum letzten Zentimeter gefüllt werden. Etwa zwei Drittel sind ideal. Dann bleibt die Sicht auf das Cockpit frei und auch das neben dem Kupplungshebel montierte Beeline ist gut zu erkennen.
Der Tankrucksack ist trotzdem der wichtigste schnell zugängliche Stauraum geblieben.
Schlechtwetterkleidung und Elektronik kommen ins Werkzeugfach. Im Hauptfach befinden sich Kleidung, Waschzeug und Schlafanzug. Weitere Wäsche, Schmutzwäsche und Marschverpflegung kommen in die linke Satteltasche.
Die rechte Satteltasche gehört hauptsächlich dem Regenzeug. Wird Platz für die Keis-Innenjacke benötigt, kann die Regenjacke außen unter dem Deckel oder quer hinter dem Sitz transportiert werden.
Die wichtigste Erkenntnis daraus ist eigentlich banal:
Es geht nicht darum, jeden verfügbaren Kubikzentimeter auszunutzen.
Wichtiger ist, unterwegs an die richtigen Sachen heranzukommen.
250 Kilometer
Auch beim Tanken hat Lörchen mir während der Reise einiges beigebracht.
Anfangs wollte ich wissen, wie weit ich mit einer Tankfüllung tatsächlich komme. Die Tankanzeige erwies sich dabei nicht immer als besonders leicht zu interpretieren.
Also wurde ausprobiert.
Bei 250 Kilometern liegt für mich künftig die praktische Grenze. Mehr mag unter günstigen Bedingungen möglich sein, aber eine Reiseplanung sollte daraus kein Experiment machen.
300 Kilometer, auf die ich anfangs gehofft hatte, sind als verlässliches Intervall nicht realistisch.
Damit steht für kommende Reisen eine einfache Regel:
Spätestens nach etwa 250 Kilometern wird getankt.
Lörchen
Vor der Reise war für mich durchaus eine Frage, wie sich die Classic 650 auf einer solchen Tour schlagen würde.
Ich war zehn Jahre lang Gespann gefahren. Eine längere Soloreise war deshalb nicht einfach nur eine weitere Motorradtour.
Lörchen hat sich dabei bewährt.
Es gab unterwegs einen kurzen Schreckmoment, als der Startermotor plötzlich keinen Mucks mehr machte. Strom war da, die Einspritzpumpe lief, die Sicherungen waren in Ordnung.
Die Ursache war erheblich weniger dramatisch:
Ein Gang war eingelegt.
Danach sprang sie wieder an.
Ansonsten wurde gefahren.
Tag für Tag, bei Wärme, Kälte und Regen, auf kleinen Straßen in Deutschland, den Niederlanden und Tschechien.
Genau dafür hatte ich sie gekauft.
Was bleibt?
Am Ende einer solchen Reise bleiben nicht nur Kilometer und Fotos.
Einige Dinge werde ich bei der nächsten Tour anders machen. Der Tankrucksack bleibt weniger voll. Sein Regenschutz kommt früher drauf. Kurviger bekommt optionale Stopps nur noch als Shaping Points. Das Beeline bleibt eine unabhängige zweite Navigation zum Tagesziel. Und bei schlechtem Wetter werde ich weiterhin vorher nach einer geeigneten Rasthütte suchen.
Andere Dinge können genau so bleiben.
Kleine Straßen. Möglichst wenig Autobahn. Keine minutiös geplante Reise. Abends entscheiden, wo es am nächsten Tag hingeht. Eine Unterkunft suchen und morgens wieder losfahren.
Und wenn das Wetter schön ist, muss auch die Pause nicht geplant sein.
Irgendwo findet sich eine Bank.

